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Liquiditätsengpass erkennen: Die wichtigsten Frühwarnsignale

Liquiditätsengpass erkennen: Die wichtigsten Frühwarnsignale

Liquiditätsengpässe erkennen: Die wichtigsten Frühwarnsignale


 

Kurzfassung (TL;DR)

  • Liquiditätsengpässe kündigen sich frühzeitig an

  • Gewinn schützt nicht vor Zahlungsproblemen

  • Operativer Cashflow ist ein zentrales Warnsignal

  • Working Capital wird häufig unterschätzt

  • Frühwarnsysteme ermöglichen rechtzeitiges Gegensteuern


 

Warum Liquiditätsengpässe selten plötzlich entstehen

Ein Liquiditätsengpass tritt in der Regel nicht überraschend auf.
In den meisten Fällen gibt es frühe Hinweise, die jedoch übersehen oder falsch interpretiert werden.

Der Grund:
Viele Unternehmen steuern primär über Umsatz und Ergebnis – nicht über Liquidität.

Dabei gilt:

Zahlungsunfähigkeit ist fast immer das Ergebnis eines nicht erkannten Liquiditätsrisikos.


 

Was ist ein Liquiditätsengpass?

Ein Liquiditätsengpass liegt vor, wenn ein Unternehmen:

  • fällige Zahlungsverpflichtungen

  • nicht mehr vollständig oder nicht mehr fristgerecht

  • aus verfügbaren liquiden Mitteln erfüllen kann

Entscheidend ist:

  • der Zeitpunkt der Zahlung

  • nicht die Ertragslage des Unternehmens

Dieser Beitrag differenziert die Begriffe Gewinn, Cashflow und Liquidität: zum Beitrag


 

Frühwarnsignal 1: Sinkender operativer Cashflow trotz Gewinn

 

Ein besonders kritisches Signal ist:

  • steigender Gewinn

  • bei gleichzeitig sinkendem operativen Cashflow

Das bedeutet:

  • Umsätze werden zwar erzielt

  • Geld fließt jedoch verzögert oder gar nicht

Häufige Ursachen:

  • lange Zahlungsziele

  • steigende Forderungen

  • wachsendes Working Capital

Der operative Cashflow ist der verlässlichste Indikator für die Fähigkeit eines Unternehmens, sich selbst zu finanzieren.

 

Genauere Darstellung des operativen Cashflows als Indikator:

Der operative Cashflow (OCF) zeigt, wie viel liquide Mittel aus dem Kerngeschäft erwirtschaftet werden. Damit ist er besonders geeignet, um zu beurteilen, ob ein Unternehmen:

  • laufende Kosten decken kann

  • Investitionen aus eigener Kraft finanzieren kann

  • Zinsen und Tilgungen bedienen kann

  • unabhängig von externer Finanzierung ist

Im Vergleich zu Gewinnkennzahlen ist der OCF:

  • weniger manipulationsanfällig (keine Abschreibungen, keine Bewertungsspielräume)

  • liquiditätsnah und damit realitätsnäher

  • besser geeignet als EBITDA oder Jahresüberschuss, wenn es um Zahlungsfähigkeit geht

In diesem Sinne ist er tatsächlich einer der verlässlichsten Indikatoren für Selbstfinanzierungskraft.

 

Wichtige Einschränkungen

Ganz allein reicht der operative Cashflow aber nicht aus:

  1. Investitionsbedarf fehlt

    • Hoher OCF + noch höhere Investitionen ⇒ keine echte Selbstfinanzierung

    • Deshalb ist der Free Cashflow (OCF – CapEx) oft aussagekräftiger

  2. Working-Capital-Effekte

    • Kurzfristige Effekte (z. B. spätere Lieferantenzahlungen) können den OCF verzerren

    • Besonders relevant bei wachsenden Unternehmen

  3. Zyklische Geschäftsmodelle

    • In manchen Branchen schwankt der OCF stark

    • Ein einzelnes Jahr kann in die Irre führen

  4. Keine Aussage zur Struktur

    • Der OCF sagt nichts darüber, wie nachhaltig oder risikobehaftet das Geschäftsmodell ist

 


 

Frühwarnsignal 2: Stark steigende Forderungen

Wenn Forderungen schneller wachsen als der Umsatz, ist Vorsicht geboten.

Mögliche Gründe:

  • verlängerte Zahlungsziele

  • nachlassende Zahlungsmoral

  • fehlendes Forderungsmanagement

Auswirkungen:

  • Liquidität wird gebunden

  • Finanzierungslücken entstehen

Dieses Signal wird häufig unterschätzt, da es bilanzwirksam, aber nicht unmittelbar erfolgswirksam ist.


 

Frühwarnsignal 3: Wachsende Lagerbestände

 

Steigende Lagerbestände:

  • binden Kapital

  • belasten die Liquidität

  • verbessern kurzfristig weder Cashflow noch Ergebnis

Besonders kritisch bei:

  • wachsenden Unternehmen

  • sinkender Umschlagshäufigkeit

Ein hoher Lagerbestand ist kein Sicherheitsfaktor, sondern oft ein Liquiditätsrisiko.


 

Frühwarnsignal 4: Zunehmende Auslastung von Kreditlinien

 

Wenn Kreditlinien:

  • dauerhaft oder zunehmend

  • nahe an der Grenze genutzt werden

ist das ein klares Warnsignal.

Problematisch ist insbesondere:

  • wenn Kreditlinien operative Liquidität ersetzen

  • statt Investitionen zu finanzieren

Das Unternehmen wird abhängig von externer Finanzierung – bei sinkender Flexibilität.


 

Frühwarnsignal 5: Regelmäßiges Verschieben von Zahlungen

 

Typische Symptome:

  • spätere Lieferantenzahlungen

  • gestundete Steuerzahlungen

  • Verhandlungen über Zahlungsziele

Diese Maßnahmen verschaffen kurzfristig Luft,
sind aber kein nachhaltiges Liquiditätsmanagement.


 

Frühwarnsignal 6: Fehlende oder veraltete Liquiditätsplanung

Ein zentrales organisatorisches Warnsignal ist:

  • Liquiditätsplanung fehlt

  • oder wird nicht regelmäßig aktualisiert

Ohne Planung:

  • werden Engpässe erst erkannt, wenn sie akut sind

  • fehlen Entscheidungsgrundlagen

Die Liquiditätsplanung ist kein Kriseninstrument, sondern ein permanenter Steuerungsprozess.

 

Ergänzende Links:

 

 


Frühwarnsignal 7: Investitionen ohne Cashflow-Betrachtung

Investitionen werden häufig anhand von:

  • strategischem Nutzen

  • Ergebniswirkungen

bewertet – aber nicht ausreichend anhand:

  • der Liquiditätswirkung

Typische Folge:

  • Abschreibungen entlasten die GuV

  • Auszahlungen belasten sofort die Liquidität

Ergänzende Links:


 

Warum Frühwarnsignale oft ignoriert werden

 

Häufige Gründe:

  • Fokus auf Ergebniskennzahlen

  • fehlende Transparenz

  • operative Überlastung

  • trügerische Sicherheit durch Gewinne

Liquiditätsprobleme sind unangenehm –
deshalb werden Warnsignale oft verdrängt.

 

Hinweis: In speziellen Software-Tools wie z.B. von Companyon (www.companyon.de) ist es auch für Geschäftsführer von KUM einfach möglich, das Budget zu planen und daraus automatisch eine Liquiditätsplanung und -prognose zu erstellen. Ein Hinweis gibt die folgende Webseite: https://www.companyon.de/planung_einleitung


 

Wie Unternehmen frühzeitig gegensteuern können

1. Liquidität regelmäßig planen

  • rollierend

  • zahlungsstrombasiert

  • realistisch

2. Cashflow aktiv überwachen

  • operativer Cashflow als Kernkennzahl

  • nicht nur Jahres-, sondern Monatsbetrachtung

3. Working Capital steuern

  • Forderungen

  • Verbindlichkeiten

  • Lagerbestände

4. Integriert planen

  • GuV, Liquidität und Bilanz gemeinsam betrachten


Merksätze für die Praxis

  • Liquiditätsengpässe kündigen sich früh an

  • Gewinn schützt nicht vor Zahlungsproblemen

  • Cashflow ist wichtiger als Ergebnis

  • Planung schafft Handlungsspielraum


 

Fazit

Liquiditätsengpässe entstehen selten plötzlich.
Sie sind fast immer das Ergebnis nicht erkannter oder ignorierter Frühwarnsignale.

Unternehmen, die:

  • Liquidität aktiv steuern

  • Cashflow ernst nehmen

  • integriert planen

erkennen Risiken früher und gewinnen Sicherheit.

Liquidität ist kein Randthema –
sie entscheidet über die Handlungsfähigkeit des Unternehmens.


 

Häufige Fragen (FAQ)

Wie früh lassen sich Liquiditätsengpässe erkennen?
Oft mehrere Monate im Voraus – vorausgesetzt, Cashflow und Liquidität werden aktiv überwacht.

Reicht eine GuV zur Steuerung aus?
Nein. Die GuV zeigt Erfolg, nicht Zahlungsfähigkeit.

Welche Kennzahl ist am wichtigsten?
Der operative Cashflow in Verbindung mit einer rollierenden Liquiditätsplanung.

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