Planung gilt in vielen Unternehmen noch als reine Pflichtübung. Ein Zahlenwerk, das zum Jahresende erstellt, verabschiedet und anschließend zur Seite gelegt wird.
Dabei wird übersehen, dass Planung weit mehr ist als eine Projektion von Umsätzen und Kosten. Sie ist kein technisches Nebenprodukt der Buchhaltung und auch kein dekoratives Reporting-Instrument für Banken.
Planung ist der Moment, in dem strategische Absichten in überprüfbare Annahmen übersetzt werden. Sie zwingt zur Klarheit über Ziele, Risiken, Kapitalbedarf und Prioritäten.
Wer Planung auf Tabellen reduziert, der produziert "nur" Zahlen (wobei alleine dieser Schritt schon wertvoll ist). Wer sie aber auch als Führungsinstrument versteht, der gestaltet die Zukunft und gibt dem Unternehmen eine Richtung vor.
Zunächst eine begriffliche Klärung.
Eine Prognose beschreibt die voraussichtliche Entwicklung unter gegebenen Annahmen. Sie ist analytisch und beobachtend. Sie beantwortet die Frage "Was wird voraussichtlich passieren?"
Eine Planung hingegen enthält normative Elemente. Sie definiert Zielgrößen, legt Prioritäten fest und weist Ressourcen zu. Sie beantwortet die Frage: "Was soll passieren - und welche Mittel setzen wir dafür ein?"
Ohne nüchterne Prognose bleibt die Planung eine reine Wunschliste. Ohne Planung fehlt die strategische Richtung, die Zielvorgabe. In einem finalen Plan sollten Planung und Prognose sehr eng beieinander liegen.
Die Planung ist also das Zielbild. Die Prognose ist die Erwartung der Realität.
Planung existiert auf unterschiedlichen Ebenen.
Operative Planung umfasst typischerweise:
Ihr Fokus liegt auf Stabilität und Effizienz im laufenden Geschäft.
Strategische Planung hingegen beschäftigt sich mit:
Ihr Ziel ist nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit.
Erst das Zusammenspiel der operativen und der strategischen Planung schafft eine konsistente Unternehmensführung.
In der Controlling-Theorie wird Planung nicht nur als Rechenprozess verstanden, sondern als Koordinationsinstrument.
Sie bringt die folgenden Elemente in Einklang:
Ohne diese Koordination entstehen Inkonsistenzen. Wachstum wird beschlossen, ohne Kapitalbindung zu berücksichtigen. Investitionen werden geplant, ohne Liquiditätsprofile zu prüfen. Kostenstrukturen entwickeln sich unabhängig von strategischen Prioritäten.
Planung zwingt dazu, diese Zusammenhänge explizit zu machen.
Besonders in kleinen und mittleren Unternehmen umfasst die Budgetplanung meist nur einen Teil dieser Elemente. Da häufig noch in Excel geplant wird, unterbleiben wichtige Elemente, da die Abbildung in Plänen und Forecast sehr aufwändig ist: die Cashflow-Planung und daraus abgeleitet eine aussagekräftige Liquiditätsprognose. Dabei ist gerade diese für Unternehmen besonders wichtig.
An dieser Stelle der Hinweis zu passenden Blog-Artikeln:
Führung wird häufig als qualitative Tätigkeit verstanden. Doch unternehmerische Verantwortung verlangt ebenso eine Quantifizierung.
Eine strukturierte Planung zwingt dazu:
Dieser Prozess reduziert nicht die Unsicherheit des Marktes. Er erhöht jedoch die Transparenz über die eigenen Annahmen, er schafft Plausibilität.
Gerade für Geschäftsführer im Mittelstand entsteht hier ein entscheidender Mehrwert. Planung diszipliniert Entscheidungen, indem sie implizite Erwartungen explizit macht.
Eine Planung ohne Alternativszenarien ist eine Fortschreibung unter implizitem Optimismus. Um das Wunschbild (z.B. Umsatz oder Ergebnis) zu erreichen, werden die Zahlen so lange modifiziert, bis es "passt".
die Szenarioplanung erfüllt eine andere Funktion. Sie reduziert Unsicherheit nicht, diese bleibt immer bestehen. Das ist die Natur des Blickes in die Zukunft. Sie erhöht aber die Robustheit gegenüber der Unsicherheit, indem mit unterschiedlichen Annahmen und grundsätzlichen Erwartungshaltungen geplant wird. Dies schützt auch gegen die Versuchung, die Zahlen im Plan "hinzubiegen".
Durch die Modellierung von Best Case, Base Case und Worst Case werden Bandbreiten sichtbar:
Szenarien verschieben den Fokus von exakter Vorhersage hin zur Widerstandsfähigkeit des Geschäftsmodells. Gerade in KMU ist die Geschäftsführung meist intensiv in das Tagesgeschäft eingebunden. Damit neben dem Budgetplan auch noch alternative Szenarien aufgestellt werden, muss dies ohne großen Zeitaufwand passieren.
Speziell mit der Szenarioplanung beschäftigt sich dieser Artikel: Szenarioplanung im Mittelstand: So meistern Sie Unsicherheiten bei Umsatz, Kosten und Liquidität.
Planung wirkt nicht nur als internes Rechenmodell. Sie strukturiert Führung.
Innerhalb des Unternehmens schafft eine belastbare Planung zunächst Orientierung. Sie übersetzt strategische Absichten in konkrete Zielgrößen und macht sichtbar, welche Erwartungen realistisch sind. Führungskräfte erhalten damit einen klaren Referenzrahmen: Welche Umsätze werden angestrebt? Welche Kosten sind tragfähig? Welche Investitionen sind priorisiert? Welche Liquiditätsreserve soll erhalten bleiben?
Diese Transparenz erfüllt mehrere Funktionen:
Sie reduziert Interpretationsspielräume bei Zielen.
Sie schafft Vergleichbarkeit zwischen Bereichen.
Sie ermöglicht eine sachliche Diskussion von Abweichungen.
Sie erhöht die Verantwortlichkeit auf allen Ebenen.
Planung wird dadurch zu einem Koordinationsinstrument. Vertrieb, Produktion, Einkauf und Finanzierung orientieren sich an denselben quantifizierten Annahmen. Entscheidungen werden nicht isoliert getroffen, sondern im Kontext des Gesamtmodells.
Gleichzeitig entfaltet die Planung eine erhebliche Wirkung nach außen. Gegenüber Banken, Investoren oder Gesellschaftern signalisiert sie Struktur und Prognosefähigkeit. Kapitalgeber interessieren sich weniger für punktuelle Ergebnisse als für die Frage, wie belastbar Annahmen sind und wie sensibel das Unternehmen auf Veränderungen reagiert.
Wie positiv sich ein Controlling/eine Planung auf die Bankgespräche auswirken kann, thematisiert dieser Artikel: Controlling und Bankenkommunikation: Wie belastbares Controlling Finanzierungsspielräume eröffnet.
Eine integrierte Untenehmensplanung, die Ergebnis, Liquidität und Kapitalstruktur miteinander verbindet, beantwortet zentrale Fragen:
Ist das Geschäftsmodell skalierbar?
Wie stabil ist die Kapitaldienstfähigkeit?
Welche Liquiditätsreserven bestehen in Stressszenarien?
Wie wirkt sich Wachstum auf die Finanzierung aus?
Eine solche Planung erhöht die Glaubwürdigkeit des Managements. Sie zeigt, dass Entscheidungen nicht situativ entstehen, sondern systematisch vorbereitet sind.
Damit wird Planung zu mehr als einem internen Steuerungsinstrument. Sie wird zum Ausdruck professioneller Unternehmensführung.
Professionelle Planung integriert mehrere Dimensionen:
Erst diese Integration schafft eine konsistente Steuerungsarchitektur.
Das Management erkennt nicht nur, wie sich das Ergebnis entwickelt, sondern auch:
Planung wird damit zum Instrument aktiver Steuerung, nicht bloß zur Darstellung erwarteter Zahlen.
Dieser Beitrag beschreibt die integrierte Unternehmensplanung im Detail: Was versteht man unter einer integrierten Unternehmensplanung?
Unternehmerische Entscheidungen basieren immer auf Annahmen. Über Marktentwicklung, Preisniveau, Kostenstruktur, Finanzierungsspielraum oder Investitionsrendite.
Die entscheidende Frage ist nicht, ob Annahmen existieren, sondern ob sie explizit gemacht, quantifiziert und regelmäßig überprüft werden. Genau hier liegt die eigentliche Funktion von Planung.
Planung zwingt das Management, implizite Erwartungen offen zu legen. Sie macht sichtbar, welche Wachstumsraten unterstellt werden, welche Margen erreichbar sein sollen, wie stabil die Liquidität bleibt und welche Kapitalstruktur tragfähig ist. Dadurch entsteht Transparenz nicht nur über Zahlen, sondern über die Denklogik hinter den Zahlen.
Führung ohne explizite Annahmen bleibt reaktiv. Führung mit expliziten Annahmen wird überprüfbar, lernfähig und anpassungsfähig.
In einem wirtschaftlichen Umfeld, das von Volatilität, intensivem Wettbewerb und strukturellem Wandel geprägt ist, reicht es nicht, die Vergangenheit korrekt zu dokumentieren. Unternehmen benötigen eine strukturierte Auseinandersetzung mit der Zukunft.
Wer Planung auf Zahlen reduziert, verkennt ihre Führungsfunktion.
Wer sie systematisch integriert, gewinnt nicht Sicherheit im Sinne exakter Vorhersage, wohl aber eine starke Orientierungsfähigkeit.